« Zum vorherigen Kapitel »
Rebecca
von yleae
(veröffentlicht am 01.06.2010)
Rebecca, 84, Oma.
So will ich denn sprechen, meine Lieben. Ärgert euch nicht, wenn ich moralisch oder belehrend spreche. Ich bin doch schon alt. Seht ihr mein graues Haar? Und denkt euch, dass es einst jung war, dass ich einst eine volle Mähne trug voll zauberhafter Locken und dass sich die jungen Männer nach mir umdrehten oder mir ein achtungsvolles Lächeln entgegenwarfen, ja. Eine Dame war ich! Nun bin ich alt, seht mich an! Ich sitze hier unter euch, die ihr mir zum Teil Fremde seid, zum Teil sehe ich bekannte Gesichter, dich, Jose, alter Musiker, haha, und das sage ausgerechnet ich: alt, oder dich, Emmanuel, du Wortgewandter oder dich, Rachel, du gute, doch unglückliche Seele. Da sind auch die neuen Gesichter, die ich nicht weniger gern betrachte, so wie deines, kleine, hübsche Sophie oder das vor jugendlicher Energie strahlende, makellose Gesicht unseres Miguels, ja, unseres Miguels, denn auch er gehört jetzt zu uns, ob als zukünftiger Star, als Star oder einfach nur als Miguel, der seine Gedanken und Träume mit uns teilen will. Ich kann ja so daher reden, denn was für euch nur ein kleiner Ausflug aus euren Leben ist, ist für mich ja bereits so viel bedeutender: Ich lebe ja nicht mehr lange! Aus allem, das mir nun begegnet, muss ich das Meiste ziehen, jedem Moment eine Farbe verleihen, die ihn einzigartig und bedeutend macht. Und so lasst mich sprechen, meine Lieben, und verzeiht, wenn ich belehrend wirke, wenn ich moralisch wirke auf euch, die ihr noch so jung seid und euch das Recht auf eure eigenen Fehler bewahren wollt und so spreche ich nur allgemein, ich sage nicht: Miguel, lass dir die Bewunderung nicht zu Kopf steigen, denn sie wird dich eitel machen und die Eitelkeit macht dich klein. Ich sage nicht: Sophie, sei auf der Hut und sei achtsam. Manch ein Baum, an den du dich auch nur für einen kurzen Moment zutraulich lehnen willst, kann lose Wurzeln habe und dich unter seinem Gewicht begraben! Ich sage nicht: Jose, deine Disziplin in Ehren, doch wo ist deine Freude geblieben? Und ich frage nicht: Meine liebe Rachel, was ist falsch? Das Begehren oder die Ehe? Verzeiht, nun sprach ich doch, wie alte Damen nun mal sprechen, die alles, jünger ist, als Kinder betrachten, um die es sich zu sorgen gilt! Und so sage ich denn auch: Gebt mir acht auf die kleine Clara, die noch alles lernen kann! Alles, das gut ist und sie zu einem guten Menschen machen kann und alles, das schlecht ist und sie zu einem traurigen, verbitterten Menschen machen kann. Gebt ihr viel Freude mit auf den Weg, denn die Erinnerung an Freude wird uns in den Momenten der Verzweiflung gerade noch über Wasser halten können. Aus der Erinnerung an Freude nährt sich unsere Hoffnung auf eine Zukunft, die wieder voller Freude sein wird. So spreche ich, ich Alte, die ich bald sterben werde und die ich nur hier bin, weil ich gerne hier bin, weil es mir Freude macht.
»
Zum Kommentieren oder Weiterschreiben musst Du Dich einloggen...
«
Lies weiter
:
Isabelle
von yleae
»
Inhaltsübersicht
Titelseite
Einführung
Romane
Das kaputte Haus
von yleae
Jose, 34 Jahre
von yleae
Edita
von yleae
Emmanuel
von yleae
Clara, Hoffnungsträgerin
von yleae
Miguel
von yleae
Sophie
von yleae
Rachel
von yleae
Das kaputte Haus
von yleae
Rebecca
von yleae
Isabelle
von yleae
Neuerscheinungen
Autorenverzeichnis
Diskussionsforum
Anhang A
Alphabetisches Register
Regelwerk
Impressum
Weiterführende Angebote
Schriftart wechseln
Anhang B
Login
:
Neuanmeldung
« EndlessNovel.de »
« Das kaputte Haus »
« Inhaltsverzeichnis »
« zurück
| 110 x gelesen |
Über yleae »