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von SarahCalottaMinz
(veröffentlicht am 27.05.2006)
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Der Tag in der Schule beginnt damit, dass eine, in der Nacht von mir noch so –aber nicht wirklich- verhasste Freundin, namens Claartje, mich freudestrahlend begrüßt. Als ich sie frage, warum ihr Gesicht durch das fette und breite Grinsen, so verunstaltet ist, antwortet sie mir, mit dieser Glückseligkeit in der Stimme: „Wir haben einen so schönen Tag, es ist warm, blauer Himmel und die Sonne scheint.“ Klasse. Ich wende mich ab, bereit zum Gehen. Sie fragt, was denn los sei. Ich antworte ihr, in einem desinteressierten Tonfall: „Wenn Menschen nicht wissen, worüber sie reden sollen, reden sie über das Wetter und da wir anscheinend kein anderes Gesprächsthema haben und du nur des Wetters wegen glücklich bist, gehe ich.“ Sie starrt mich verduzt an, dreht sich um, geht und sucht sich wahrscheinlich einen echten Wetter-Gesprächspartner. Jemand, der sich mit ihr freuen kann, die dann apathisch nebeneinander stehen, in den Himmel starren und einfach nur mit sich und der Welt zufrieden sind.
Es geht hier nicht um meine Verachtung gegenüber dem Glück, es geht um Verachtung gegenüber dieser Konturlosigkeit. Menschen, die zehn Stunden oder länger schlafen können und es auch wollen. Menschen, die es genießen, nach Schnäppchen im Supermarkt zu suchen und dann einfach mal, weil es im Sonderangebot ist, 14 Kilo eingelegte Senfgurken oder 51 Tuben Haarentfernungscreme kaufen. Denen dieser unwichtiger Kram so wichtig geworden ist. Diese Sorte Mensch, ist froh darüber wenn reich geheiratet wird, man später in einem schmucken Vorort lebt, in einem Herrenhaus + Collie! Das verachte ich zutiefst.
Der Tag in der Schule, mit dem Gute – Note – Ergeiern der Anderen und fehlendem Interesse für Vektorrechnung meinerseits, plätschert sich dann so dahin. Ich kriege eine 6, weil ich einfach keine Liegestütze zustande bringe und das ist mir auch, wie heißt es so schön, Jacke wie Hose. Ich bin sowieso der Meinung, dass Fächer wie Sport nicht nach dem blöden Maßstab bewertet werden sollten, sondern danach, ob man den Elan aufbringt, schnellstmöglich 2 km im Kreis zu laufen oder Stangen hoch- und runter zu rutschen. Aber das kriegen die Sportlehrer das sind die Lehrer die wahrscheinlich zu blöd sind, Fächer wie Mathe oder Biologie zu unterrichten, sich deshalb lediglich mit ihrem Maßband oder ihrer Stoppuhr beschäftigen nicht auf die Reihe. Sollte man sich den Abiturschnitt versauen, nur weil man nicht so schnell rennen oder so weit werfen kann? Es gab mal einen Fall, dass jemand da Jahr wiederholen musste, weil er im Sportunterricht eine 6 hatte. Eine sehr gute Freundin hat mir allerdings immer geholfen den Sportunterricht zu überstehen, Asta. Für mich immer der Mond über der Sonne. Sie gehört zu der Sorte Mensch, die, wenn auch nicht in vollen Zügen, versteht wie ich mich fühle und sie hat mir einmal gesagt, dass ich meinen Seelenfrieden nicht finde, wenn ich dem Leben aus dem Weg gehe. So ließ ich mich hinreißen zu Unternehmungen mit ihr und es hat mir in dem Moment gefallen, unbeschwert und tatsächlich glücklich zu sein. Aber sobald Asta dann auf dem Weg nach hause war, verflogen die gute Laune und die fröhlichen Stunden mit ihr.
Jedenfalls war Asta eine der wenigen Personen, die es schaffte mich wenigstens für ein paar Stunden aus meinem Trott und meinem Selbstmitleid herauszuholen, bis die Sonne unterging und sich all das in Nichts auflöste und ich wieder ich selbst wurde und nicht diese Person, die mich gelegentlich im Spiegel anlächelt.
*
Etwa um 22:00 Uhr gehe ich dann ins Bett, wie immer dauert es noch 1 bis 1 ½ Stunden, bis ich einschlafe. Oft wache ich dann gegen drei oder vier wieder auf, manchmal heimgesucht von Albträumen. Dieses Mal ist es 02:16 Uhr, ein friedliches Aufwachen, ohne Albtraum. Ein Thema quält mich schon eine ganze Weile, endlich habe ich Zeit nachzudenken. Ein Thema, mit vielen Optionen: friedlich, unfallbedingt, krankheitsbedingt, Suizid. Tod. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich irgendwann nicht mehr atmen werde, nicht mehr reden und nicht mehr denken. Warum muss der Tod so was absolutes sein? Wie wäre es denn mit einem Vorgeschmack, um zu wissen, wie es ist, nicht mehr zu atmen, nicht zu singen, oder zu trinken. Man sollte solch eine Erfahrung machen, um sein Leben nicht mit Sonderangeboten zu zerstören. Sicherlich sollte jeder Mensch so leben, wie es ihm gefällt, aber ich glaube, dass diese Art von Menschen nicht unbedingt glücklich mit dem ist, was sie tun. Wenn diese Leute, auch mal und sei es nur für eine Nacht um 02:16 Uhr aufwachen, 2 Stunden wachliegen und sich einfach Gedanken machen über sich und den Sinn ihres Lebens, würden am nächsten Tag, meiner Meinung nach, viele Selbstmorde in der Zeitung stehen. Vielleicht sind sie ja, von ihrem Standpunkt aus betrachtet, zufrieden mit dem was sie tun, aber ich frage mich, kann das Glück sein, die Rechnungen bezahlt und 14 kg eingelegte Senfgurken im Supermarkt erstanden zu haben?
Meine Gedanke sind abgeschweift, wie so oft, eigentlich ging es ja um den Tod, um aber darüber nachgrübeln zu können, sollte man das Thema Religion nicht außer Acht lassen. Denn, was wären Menschen, die Angst vor dem Tod haben, ohne ihre Religion? Ich bin kein gläubiger Mensch, aber ich kann die Leute verstehen, die sich ohne wissenschaftlichen Beweis an Gott klammern. Oder an Allah, Buddha und wie sie nicht alle heißen. Es gibt ihnen Hoffnung, Hoffnung insofern, dass sie vor dem endgültigen Aus nicht mehr solch eine Angst spüren brauchen. Sie kommen in den Himmel oder werden wiedergeboren. Für sie gibt es im Herzen, den Tod im herkömmlichen Sinn nicht mehr. So werden sie weiterhin ihr Dasein fristen.
Ich glaube weder an das Paradies, noch an das Leben nach dem Tod, ich habe, ehrlich gesagt, einfach nur Angst. Wahrscheinlich weil alles außerhalb meiner Vorstellungskraft liegt. Der Mensch kann nicht mal erahnen, was es heißt, nicht mehr zu existieren, zu träumen oder zu schreiben. Es fällt ihm genauso schwer, den Tod als absolutes Ende anzuerkennen, wie eine Antwort auf die Frage zu finden, ob das Universum endlich oder unendlich sei. Beide Antworten liegen außerhalb unserer Vorstellungskraft und ihres Glaubens nach, auch nicht in ihrem Aufgabenbereich.
„Das ist alles so weit weg.“ Heißt das, dass ein Darüber nachdenken nicht notwendig sei? Warum sollte man nicht philosophieren, nicht ahnen, nicht naschen an der Frucht des Wissens (ich weiß, merkwürdig...) ?!
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Romane
Nachts kommt die Flucht
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