Der Begleiter
angefangen von kaltric am 22.10.2008
I und der erste Abend, an dem ich noch guter Dinge war
Der Mond war voll und blutrot gewesen und stand an diesem Abend hoch am nächtlichen Himmel. Ich kam gerade von der Feier eines Freundes und befand mich auf dem Heimweg. Wie immer nahm ich die Abkürzung, die mich durch verwinkelte Seitenstraßen und kleine Gassen am Stadtpark vorbei führen würde. Zwar war es mir bekannt, dass es immer wieder zu Überfällen, Morden und anderen Vorfällen kam, wenn sich jemand des Nächtens allein an diesen dunklen Orten aufhielt, doch war ich stets guter Dinge gewesen. Während der Feier hatte ich etwas zu stark dem Weine zugesprochen und so kam es, dass ich leicht torkelnd in die nur unzureichend von je einer Straßenlaterne an jedem Zugang beleuchtete Schmiedegasse einbog. Ich durchquerte sie und erreichte den freien Platz, der den Park umgab. Nichts ahnend begann ich fröhlich pfeifend von einem Pflasterstein zum nächsten zu hüpfen. Wie leichtsinnig ich doch noch war.
Plötzlich hörte ich mich beunruhigende Geräusche aus dem nahen dunklen Parkwald schallen. Ich hörte sofort auf mit allen Tätigkeiten, blieb starr stehen und lauschte.
Da! Schon wieder diese Geräusche, die ich als das Wimmern einer jungen Frau erkannte. Ich kämpfte gegen meine Angst an, selbst in irgendetwas hineingezogen zu werden, doch obsiegte letztlich die Neugier. Vorsichtig näherte ich mich den Bäumen. Als knackend ein kleiner Ast unter meinen Füßen blieb, blieb ich sofort starr stehen und presste mich an einen Baum. Die Geräusche kamen von einer Lichtung direkt vor mir, soviel vermochte ich selbst in meinen angeschlagenen Zustand festzustellen.
Langsam und ohne den Kontakt zu dem Baum, diesem einzigen Beistand den ich hier hatte, zu verlieren, drehte und reckte ich meinen Kopf so, dass ich einen Blick auf die Quelle der Laute werfen konnte. Bei dem was ich nun sah blieb mir fast das Herz stehen.
Düster und bedrohlich lag die Lichtung vor mir, die umstehenden Bäume streckten ihre verkrümmten Äste zur Mitte hin aus, als würden sie versuchen in die Geschehnisse, die ich dort beobachtete, einzugreifen. Kein weiteres Lebewesen außer mir und den beiden Hauptakteuren der Szene waren anwesend, alle Tiere schienen längst geflohen zu sein. Ein Fleck im Gras war schwarz und verkohlt als hätte man hier ein Lagerfeuer betrieben und Steine lagen darum verteilt.
Ein angesichts des Schauspiels völlig irrsinniger Gedanke kam mir. Letzten Monat erst hatte ich selbst noch gehört, wie man einen armen Landstreicher zu einer wahrlich harten Strafe verurteilte, da er in der stets verschmutzten Bäckerstraße ein offenes Lagerfeuer entzündet und laut Urteil die gesamte Stadt gefährdet hatte. Wusste diese so unschuldig aussehende Frau die da so nah bei mir durch das verkohlte Gras kroch nicht, dass offene Feuer hier in der Stadt verboten waren?
Sie wirkte, als wäre sie noch nicht lange dem Elternhause entwachsen. Das lange flachsblonde Haar hing ihr wirr um die Schultern. Bei jeder Bewegung die sie machte wurde es weiter durchs verbrannte Gras gezogen und färbte sich langsam schwarz. Ihr zierlicher Körper wurde von zerfetzten Kleidern eher notdürftig bedeckt und ängstlich drückte sie ihn an den Boden, schutzsuchend. Die eine Hand krallte sich ins lockere Erdreich, die andere hielt sie abwehrend vor das Gesicht. Gleichzeitig vergrub sie das mir zugewandte Gesicht im Arm. Man hörte nur ihr verzweifeltes Schluchzen, erfüllt von Furcht und Grauen. Auch mich erfüllten diese Gefühle als ich erkannte wovor sie so sitzend durch das Gras kriechend zu entfliehen versuchte.
Die Gestalt stand hocherhoben zwischen ihr und mir, so dass ich nur ihren Rücken sehen konnte, was wenig aufschlussreich doch umso fürchterlicher war. Sie war etwa so groß wie ich, auch wenn ich stets schlecht im Einschätzen war. Eine weit geschnittene nachtschwarze Kutte verhüllte ihre Umrisse. Ich vermochte nichts einzuschätzen. War es nun Mann oder Frau? Auch den Kopf bedeckte eine Kapuze, tief ins Gesicht gezogen, und die Hände verschwanden in den weiten Ärmeln der übergroßen Verkleidung. Stumm und bedrohlich stand sie da und wandte ihr Antlitz dem Mädchen zu.
Langsam hob sie ihren rechten Arm und erst da erkannte ich den Dolch in ihrer Hand. Ruhig und gelassen mit geradezu fürchterlicher Lautlosigkeit trat, nein, schwebte sie fast auf das Mädchen zu. Eine schwarzbehandschuhte linke Hand griff in die halb ruß gefärbte Mähne des Mädchens und zog ihren Kopf daran hoch. Sie verzog schmerzerfüllt das Gesicht, die Augen vor Pein zugekniffen. Mir fröstelte es, dabei war dieser Herbsttag vergleichsweise warm. Ich wollte ihr helfen doch war ich wie gelähmt, stand nur da und musste zusehen. Ich sah wie die Gestalt sich runterbeugte bis der Rand der Kapuze fast das Gesicht des Mädchens berührte als wolle sie ihr in die Augen sehen. Diese weiteten sich schreckenerfüllten als der Dolch sich ihrem Hals näherte. Ein letztes Mal versuchte ich meine Starre zu lösen während der Schwarzgewandete die Dolchspitze ansetzte.
Das Mädchen wirkte wie ein Kaninchen, welches das unvermeidliche sich nähern sah. Sie schrie nicht einmal, obwohl ich mir das wünschte, vielleicht wären dann vorbeikommende Passanten alarmiert worden sie zu retten. So aber musste ich allein alles mitverfolgen als einziger Zeuge, wie der Dolch die zarte Haut riss, wie der Schwarze sein blutiges Handwerk tat ohne sich zu beschmutzen, wie das Leben aus dem armen Mädchen wich, wie ein Augenblick vor dem letzten Moment ihr Blick den meinigen traf und sie mich traurig anschaute eh ihre Augen sich trübten und der Schwarze sie losließ. Leblos fiel sie zurück.
Ihr Mörder wischte das Blut von der Klinge an ihrem Kleid ab und richtete sich wieder auf. Dann drehte er sich um. Ich weiß nicht ob er mich sah oder nicht, ich erkannte jedenfalls nicht mehr als von hinten.
Endlich konnte ich mich wieder bewegen und zog mich hinter den Baum zurück. Als ich eine Zeitlang nichts hörte nahm ich mich zusammen und warf einen Blick zurück auf die Lichtung. Die Gestalt war verschwunden, die Tote lag noch da. Mir wurde schwarz vor Augen als mich die angestaute Angst überwältigte.
Als ich erwachte lag ich in meinem Bett.
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Hier gibt es mehrere Fortsetzungen
:
II, der nächste Tag und nichts war wie es sein sollte
von kaltric
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III: Ein Versuch mich abzulenken und weitere Vorfälle
von kaltric
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Romane
Der Begleiter
von kaltric
II, der nächste Tag und nichts war wie es sein sollte
von kaltric
III: Ein Versuch mich abzulenken und weitere Vorfälle
von kaltric
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