Der Held
angefangen von AntiAntiTerror am 21.06.2004
Ein heldenhaftes Abenteuer
Prolog
ist halt so ein noch nichts sagender Prolog...
Wir befinden uns in Europa, dem Kontinent, auf dem alles begonnen hat und alles enden wird. In einem uns nicht unbekannten Land, ein wenig außerhalb einer uns nicht unbekannten Stadt hätte die Uhr gerade 22.00 Uhr Ortszeit geschlagen, wenn sie gekonnt hätte. Aber irgendein raffinierter Mechanismus hielt sie von ihrem Vorhaben ab und so sollte es Eddie noch nicht einmal erfahren, dass seine Stunde geschlagen hatte. Eddie hieß Eddie, weil er ein Wärter war und keinen allzu langen Auftritt haben sollte. Denn fünf Minuten nach zehn atmete er erst mal nicht mehr durch den Mund und schließlich gar nicht mehr.
Derselbe raffinierte Mechanismus, der die Uhr angehalten hatte, musste wohl auch dafür verantwortlich sein, dass die Alarmanlage nichts von den drei finsteren Gestalten vermeldete, von denen eine gerade mit Geschick ein Loch in eine Fensterscheibe des Gebäudes schnitt. Danach langte sie durch die entstandene Öffnung und betätigte den inneren Fenstergriff. Das Fenster schwang auf und eine Minute später war von den Einbrechern, wie ein geübtes Auge erkennen konnte, nichts mehr zu sehen.
Nachdem einige Zeit nichts mehr passierte, erschienen die drei Gestalten wieder am Fenster und benutzen es diesmal als Ausstieg. Dabei taten sie sich sichtlich schwerer als beim Einstieg, denn sie hatten einen Sack dabei, der mit irgendetwas Unförmigen gefüllt war. Auf einmal läutete die Uhr. Es war 22.30. Dann schrillte die Alarmanlage los, als könne sie ihr Versäumnis nichtig machen. Das Trio blickte sich an. Diese neue Situation schien ihnen nicht zu behagen und wie in solchen Fällen üblich war bald der Schuldige ausgemacht.
„Verdammt, Tom, du hast gesagt, die Alarmanlage ist deaktiviert“, warf man dem Kleinsten vor, der aus der Nähe betrachtet eine Brille trug.
Auf jeden Fall fühlte der sich angesprochen und verteidigte sich: „War sie doch auch. Schließlich sind wir unbemerkt eingedrungen, oder? Die Schaltung hing irgendwie mit der von der Uhr zusammen, also hab ich einfach die Uhr zum Stehen gebracht. Das war gar nicht mal so einfach, wie du dir das vielleicht vorstellst, ich denke, ich hab hier den schwierigsten Teil der Aufgabe erledigt.“
„Halb erledigt, meinst du wohl“, entgegnete der zweite wütend.
Doch Tom reagierte nicht darauf. Der Gedanke, der ihm eben gekommen war, behagte ihm überhaupt nicht. „Irgendjemand muss die Uhr wieder zum Laufen gebracht haben“, murmelte er.
Die anderen sahen ihn erschrocken an. Dann wandten Tom und der zweite sich dem Dritten zu. „Verdammt, Becker, du hast gesagt, der Wärter ist tot.“
„Und damit hatte er auch Recht“, sagte die vierte Stimme. „Auf diesen Schnitt wäre jeder Anatomieprofessor stolz gewesen.“
Langsam drehten sich die drei auf frischer Tat Ertappten um. Irgendwie war das alles gar nicht gut. Und es wurde nicht besser, als sie den Zwei-Meter-Hünen erblickten, der irgendein Gerät auf sie gerichtet hatte, das ziemlich gefährlich aussah. Am schlimmsten war jedoch der Gesichtsausdruck, den er hatte. Denn selten hatte einer von ihnen einen so klaren Blick gesehen, der direkt auf der Grenze zum Verklärten lag. Und das Lächeln war nicht etwa verrückt, sondern fast verrückt, so dass es schon wieder aussah, als ob es von jemandem stammte, der bei einem Lächle-am-nettesten-Wettbewerb gewonnen hatte.
Stockend übernahm der zweite, zur Vereinfachung sei er bei seinem Spitznamen, Natron, genannt, das Wort. „Bitte nicht schießen, wir bringen auch alles zurück.“ Diese Worte als Gestammel zu bezeichnen, wäre eine glatte Untertreibung gewesen.
Doch der Riese verstand es und sein Lächeln wurde noch ein wenig nett schrecklicher. „Sicher würdet ihr alles zurückbringen, schließlich seid ihr ein Haufen ehrlicher Kerle, oder?“
Heftiges Nicken vonseiten der anderen. „Aber ich weiß nicht, ob ich einen Gefallen tue, wenn ich euch am Leben lasse. Habt ihr etwas, wofür es wert ist zu leben?“
Schweigen. „Ich habe gefragt, ob ich etwas habt, wofür es wert ist zu leben“, wiederholte er.
Natron erkannte, dass tatsächlich eine Antwort erwartet wurde. „Eine Familie“, sagte er. „Eine Familie, aha.“ Ein kurzes Flackern lief über das Lächeln. „Und ihr?“ Er deutete auf Tom und Becker.
„Ich habe auch eine Familie.“ antwortete Tom und Becker erklärte, dass auch er eine Frau und Kinder habe.
Der Hüne fragte weiter: „Und sonst? Wie steht es mit einem Job? Oder einem schönen Haus?“
Diesmal antwortete Natron für alle: „Keiner von uns hat ein Haus, einen Job, oder so. Dieser Konzern hier hat uns alles genommen.“
Wieder flackerte etwas im Gesicht des anderen auf. „Verbittert siehst du aus, ich erkenne so etwas. Und ihr denkt, das ist ein Grund in dieser Fabrik einzubrechen?“
„Ist es denn nicht so?“, entgegnete Becker, als ihm auf einmal klar wurde, welche Frechheit er sich da eigentlich erlaubt hatte. Sofort versuchte er seinen Fehler auszubügeln. Doch der Riese war von seinen Entschuldigungen nicht beeindruckt, allerdings schien er sich auch nicht
am vorhergegangenen Ausrutscher zu stören. Im Gegenteil, sein Lächeln verstärkte sich nur noch. Dann meinte er: „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Du hast recht. Es ist ein Grund. Nun, aber all dies wusste ich schon vorher. Mein Erscheinen hier hat einen bestimmten Grund und der hat nichts mit eurem Tod zu tun.“ Er machte eine kurze Pause. „Auf jeden Fall nicht direkt. Aber indirekt hat ja alles mit unserem Tod zu tun, oder?“ Diesmal erwartete er scheinbar keine Antwort, denn er fuhr gleich fort: „Nein, der Grund warum ich hier bin, ist ein anderer. Ich möchte mit euch sprechen.“ Er lauschte einen Moment dem Heulen der Alarmanlage und fügte hinzu: „Nicht jetzt. In Ruhe.“ Und schon hatte er sich umgedreht und marschierte in Richtung Ausgang. Dabei hatte er immer noch dieses Monstrum von einer Handfeuerwaffe auf das Trio gerichtet. Nachdem er merkte, dass ihm keiner folgte, rief er ungeduldig: „Na, kommt schon, oder zieht ihr ein Gespräch mit der Polizei vor, die zweifelsohne innerhalb der nächsten Minuten auftauchen wird.“
Natron war sich da nicht so sicher, was er lieber gehabt hätte, aber dann dachte er an seine Familie und ein wenig widerstrebend folgte er dem Riesen. Tom und Becker taten es ihm gleich. Keiner von ihnen konnte jedoch den Blick von dem Mordgerät lassen, das auf sie gerichtet war und sie wünschten sich, dass die Alarmanlage ein wenig lauter wäre, damit sie nicht diese irgendwie bekannte Melodie hören mussten, die der unheimliche Mann in ebenso unheimlicher Fröhlichkeit vor sich hinpfiff.
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